Einige Freunde und Bekannte haben stillschweigend vorausgesetzt, dass ich so einen Urlaub natürlich nur mit voller Ausrüstung angehe. Stative, VF-DSLR, Objektivzoo: einfach alles. Wegen des begrenzten Raums für Gepäck, den langen Wanderungen und weil ich den Urlaub mehr erleben als dokumentieren wollte, habe ich auf das große Besteck verzichtet.
Kurz vor dem Urlaub habe ich mir eine Olympus PEN E-P2 als Reise- und Immer-Dabei-Kamera zugelegt. Zum Gewicht einer großen Teleoptik und auf weniger Platz hatte ich so einen Brennweitenbereich von 18mm-400mm auf KB bezogen immer bei mir. Die meisten Bilder sind mit dem 20mm Objektiv von Panasonic entstanden. Das lichtstarke, scharfe und kontrastreiche Objektiv ist winzig und absolut intuitiv. Zusammen mit dem wirklich überzeugenden Elektronischen Sucher, ohne den das Fotografieren bei hellem Tageslicht schwierig wäre, ist die Olympus auf jeden Fall auch bei künftigen Reisen fester Bestandteil meines Gepäcks.
Der beste Urlaub den wir bis jetzt hatten neigte sich seinem Ende zu. Und weil wir für eine rechtzeitige Ankunft bei der Fähre von Byrkjedalstunet fast acht Stunden gebraucht hätten, war eine weitere Etappe in Horten geplant. Die am östlichen Ufer des Oslofjords liegende Stadt war deutlich weniger charmant als die ländlichen Regionen, in denen wir uns vorher aufgehalten haben. Aber weil wir geschlagen mit Sonnenbrand, Muskelkater und Erschöpfung einen Pausentag gut gebrauchen konnten, haben wir uns die Zeit mit dem überraschend witzigen Film “The Ugly Truth” und dem Sichten von Fotos vertrieben. Der hat uns auch von dem Lärm des Rummels nebenan hinreichend gut abgelenkt.
Nach langem Hin- und Her haben wir uns für den letzten vollen Tag in Norwegen vorgenommen, den Preikestolen zu besuchen. Uns war klar, dass es dort viel mehr Touristen als am ebenfalls nahen Kjerag gibt. Das es trotz der frühen Stunde so viele waren, das am kostenpflichtigen Parkplatz mehrere Einweiser gut zu tun hatte, ahnten wir jedoch nicht. Dennoch kam uns auf dem Weg nach oben kaum jemand entgegen.
Die letzte Etappe unserer Reise erreichten wir nach einer kräftezehrenden fast 7-stündigen Fahrt in Richtung Süden am Hotel Byrkjedalstunet im namensgebenden Byrkjedal. Das Hotel ist im Stil des 18. Jahrhunderts aufgemacht und konsequenterweise gibt es weder Telefon noch Fernseher oder Internet auf den Zimmern. Diese sind in kleinen Holzhäusern untergebracht, deren Dächer mit Gras und Blumen bewachsen sind. Das ganze Ambiente ist irgendwo zwischen niedlich und authentisch angesiedelt, hat uns aber durchaus gut gefallen. Allerdings kollidieren hier zwei Seiten Norwegens: Das traditionsverbundene mit alten Holzmöbeln und ausgestopften Tieren und die moderne Kreditkartengesellschaft mit Wellnessanspruch (Fußbodenheizung, große Dusche, atmosphärisch dimmbares Licht im Bad).
Die Husedalen im Hardangervidda waren uns nächstes Ziel. Früh im Hotel gestartet sind wir zunächst über Umwege nach Kinsarvik gefahren. Von dort führte uns ein Abzweig auf einen Parkplatz in der Nähe einer Kartbahn und eines Helikopterflughafens. Wobei ich mich immer noch frage, warum Norweger einer Gokart-Bahn brauchen, wenn die nächste Strecke spätestens an der Auffahrt zum eigenen Heim startet.
Unsere nächste Etappe lag am Hardangerfjord in der Kommune Kvam. In dem kleinen Ort Øystese liegt das Hardangerfjord Hotell direkt an selbigem und ist bis jetzt das am besten geführte und schönste Hotel unserer Reise.
Sonntags früh am Morgen haben wir uns mit dem Wagen in Richtung Sognefjord aufgemacht und als erstes schleuderte uns ein Transit mit dem Heck voran aus dem ersten Kreisverkehr entgegen. Die Schilder, die auf mögliches Aquaplaning hinweisen waren also nicht übervorsichtig.
Nach dem Ende unseres Aufenthalts in Åndalsnes führte uns die nächste Etappe wieder über die Straße 63 und damit auch die Trollstigen. Dank Ole’s Erinnerung haben wir noch eine Figur aus Steinen gebaut, um die Trolle zu besänftigen und ihnen dafür zu danken, dass sie uns nicht mit Steinen beworfen haben.
Nach dem Frühstück haben wir uns mit dem Wagen in Richtung Sylte aufgemacht. Und das zu einer Zeit, zu der ich normalerweise noch schlafe. Wir nennen es Urlaub. Der beste Weg zu dem Fähranleger führt uns – wieder mal – über die Trollstigen. Um diese frühe Zeit schlafen die meisten Touristen noch und so gestaltete sich die Auffahrt dank Übung und Leere ziemlich einfach. Während wir tags zuvor direkt wieder umkehrten fahren wir heute durch Gebirgstäler oberhalb der Baumgrenze, die nicht weniger spektakulär als die berühmte Straße sind.
Der Reiseführer nennt es eine Strecke für Nervenstarke. Um den ungezählten Wohnmobilen zu entkommen haben wir die Reise früh morgens nach der Frokost angetreten. Das erste Hindernis auf dem Weg waren nicht die Spitzkehren sondern Kühe. Die sind hier außergewöhnlich geländegängig aber sehr langsam, sobald sie Asphalt betreten haben. Irgendwoher muss ja die Milch kommen, die hier oft, viel und in unserem Hotel sogar kostenlos zu bekommen ist.
Ich weiß nicht, was Schweden dazu treibt in Norwegen zu feiern, auf jeden Fall wurde es spät und es war laut. Entsprechend verschlafen haben wir uns in der Früh zum Frokost-Buffet geschleppt und ein weiteres Beispiel kennengelernt, warum Norwegen nicht für seine Kaffeespezialitäten berühmt ist.
Im Wagen und auf der E6 und später der E136 haben wir den Weg nach Åndalsnes in Angriff genommen. Je weiter nordwestlich wir fuhren, desto spektakulärer wurde die Landschaft. Besonders beeindruckend wurde es entlang des Flusses Rauma, der in Åndalnes endet. Diesen Weg werden wir morgen auf jeden Fall wieder nehmen, um Trollstigen und Trollvegen zu erkunden.
Dem frühen Weckruf sei Dank haben wir es zu dem Café mittschiffs geschafft, bevor der große Ansturm losging. Für fast 40 Euro gab es Brötchen und Kaffee sowie die Erkenntniss, das bei diesen Preisen die weitere Verpflegung mit Einkäufen im Supermarkt bestritten werden muss.
Halbwegs gestärkt haben wir dann das noch vom Regen nasse Sonnendeck besucht, auf dem sich zu dieser Stunde nur wenige Frühaufsteher und Mitglieder der Crew tummelten. Rechts und links kamen langsam die Ausläufer Norwegens in Sicht und mit gepackter Tasche saßen wir kurz vor 10:00 wieder im Auto auf dem Fährdeck.
Der noch nachtschlafenen Abreise um 7:00 Uhr und dem LKW-freien Sonntag sei Dank, sind wir früh in Kiel am gut ausgeschilderten Norwegenkai angekommen. In der Wartereihe 1 konnte ich die zweistündige Wartezeit bis zum Boarding mit erfolglosen Versuchen verbringen, mein Navigon 2410 wieder in Betrieb zu nehmen.
Bei Sportteams lässt man sich rücklings in die Arme eines anderen fallen, um Vertrauen aufzubauen. Das beschreibt auch ungefähr mein Verhältnis zu den Einweisern an Deck der Fähre. Wo die Parkdistanzkontrollel schon lange im Dauerton warnte, winkte deren Hand noch zielsicher weiter. Zum Glück hat Ramona unser Bordgepäck in eine kleine Sporttasche gepackt. Alles andere wäre durch die nur noch zentimeterweise zu öffnenden Türen auch nicht bis in die Kabine gekommen. Beim nächsten Wagen lasse ich mir also neben einem Navigationsgerät auch eine Dachreling installieren, um mich durch das offene Fenster aus dem Wagen zu ziehen.
Deutschland feierte zwischen Vuvuzela, Autokorso und Rekordhitze den Einzug in das Halbfinale der Weltmeisterschaft. Gestärkt vom gemeinsamen Mitfiebern für die Deutsche Elf bei Freunden, haben wir unsere Koffer und Taschen gepackt. Der vollgetankte Wagen stand bereit für die Fahrt zur Fähre in Kiel, morgens in der Frühe, bevor die brütende Hitze gegen die Klimaanlage ankämpfte. Das ist unser erster langer Urlaub seit über 6 Jahren. Entsprechend groß war meine Aufregung und Begeisterung. Wir lassen den Abend mit dem letzten Schluck Wein für die kommenden 2 Wochen ausklingen.